Das Terrorblag als Arbeitsunfall oder der Schrei-Incident – oder die unerwartete Wortschatzerweiterung – SG Dortmund S 17 U 1042/16

Arbeitsschutz

Die Erzieherin aus Hamm ist in einem heilpädagogischen Kinderheim beschäftigt. Sie sei durch das Geschrei der lieben Kinderlein (vulgo: Blagen) an Tinnitus erkrankt und begehrte die Kostenübernahme durch die Krankenkasse.  Die Unfallkasse Nordrhein-Westfalen lehnte ab, die Kosten der Versorgung der Erzieherin mit einem Tinnitusmasker zu übernehmen, weil der durch menschliche Schreie erreichte Schallpegel selbst in unmittelbarer Nähe des Ohres nicht geeignet sei, dauerhafte Hörstörungen oder ein bleibendes Ohrgeräusch zu verursachen (die kennen meine Töchter nicht….wenn die ihre tägliche Dosis Paw Patrol einfordern… argh).

Die hiergegen erhobene Klage wies das Sozialgericht Dortmund als unbegründet ab. Es könne nicht festgestellt werden, dass die Klägerin aufgrund des “Schrei-Ereignisses” einen Tinnitusmasker benötige. In der medizinischen Wissenschaft sei anerkannt, dass es selbst bei durch menschliche Schreie erreichbaren Spitzenschallpegeln von mehr als 130 dB allein zu Mini-Lärmtraumata kommen könne, die mit vorübergehenden bzw. ganz geringen Hörminderungen einhergingen. Bleibende Hörschäden seien demnach bei vorübergehenden Vertäubungen nicht zu erwarten, erst recht nicht ein Tinnitus.

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